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Dienstag, 29. Januar 2008

Geld zirkuliert in der Welt

Interview mit Miako Tadano

Miako Tadano, 32, Autorin und Regisseurin von "Three Year Delivery" (s. Artikel) über das Filmemachen und die "unreife" Generation der Dreißigjährigen.

Welcher Job ist härter: In einem Drama als Schauspielerin zu arbeiten oder bei einer Komödie Regie zu führen?

Als Schauspielerin zu arbeiten oder Regie zu führen ist beides eine große Herausforderung, weil es ums Filmemachen geht. Ein Film wird aber nicht vom Regisseur oder dem Hauptdarsteller gemacht, sondern von der gesamten Crew, weswegen ich mich (bei der Arbeit an "Three Year Delivery" - Anm. d. Red.) bemüht habe, keine tyrannische Regisseurin zu sein.

Meiner Meinung nach ist das Wichtigste bei der Produktion eines Films, dass alle "den gleichen Takt finden und halten". Als Schauspielerin passe ich mich am besten dem Rhythmus des Regisseurs an. Als Regisseurin wiederum muss ich den Takt für alle vorgeben. In jede dieser Rollen versuche ich, mein Bestes zu geben.


Sind die heute Dreißigjährigen in Japan zu egoistisch, zu oberflächlich und zu Spaß orientiert, um gute Eltern zu sein?

Die meisten der heute Dreißigjährigen, mich eingeschlossen, sind im Wohlstand aufgewachsen - ohne Mangel an Essen und Kleidung. Die Generation unserer Eltern aber, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Voraussetzung für den wirtschaftlichen Aufschwung schuf, lebte noch in Armut. Sie arbeiteten hart, um ihren Kinder eine bessere Ausbildung, ein besseres Leben zu ermöglichen. Geld verdienen stand für sie an erster Stelle. Zeit, um innerhalb der Familie miteinander zu sprechen oder gemeinsam etwas zu unternehmen, blieb nicht. Sie glaubten fest daran, dass finanzieller Erfolg das Einzige ist, das zählt, auch wenn man andere austricksen muss, um dieses Ziel zu erreichen. Also lernten wir von unseren Eltern, selbstsüchtig zu handeln und lernten nicht, wie wichtig es ist, mit anderen zu kommunizieren.

Es trifft in der Tat zu, dass viele der heute Dreißigjährigen egoistisch, oberflächlich und Spaß orientiert sind - wenn man so will, alles "artige Kinder", die das umsetzen, was ihre Eltern ihnen beigebracht haben.
Dennoch glaube ich nicht, dass unsere Generation mit dieser Situation zufrieden ist. Schon als Kinder hatten wir den - oftmals nur unbewussten - Wunsch, mehr mit unseren Eltern zu kommunizieren. Aber weil dieser Wunsch nie wirklich erfüllt wurde, fällt es uns heute schwer, mit anderen ins Gespräch zu kommen. Wir müssen uns also etwas Neues, Ungewöhnliches einfallen lassen, um dieses Problem zu lösen.


Welche Rolle spielen die japanischen Medien (TV, Kino, Zeitschriften, Werbung) bei dieser Entwicklung einer "unreifen Generation"? Vermitteln sie die falschen Werte, zeigen die falschen Vorbilder?

Ich glaube, dass die japanischen Medien in erster Linie daran interessiert sind, Geschäfte zu machen und weniger daran, Fakten zu vermitteln oder etwas Kreatives zu schaffen oder gar kulturelle Werte zu bewahren.

Der wirtschaftliche Erfolg hat Priorität, deshalb werden Gelder ausschließlich in die Entwicklung neuer Märkte investiert, was die Beteiligten aber weder glücklicher noch zufriedener macht. Eine Bereicherung unseres Lebens im nicht-materiellen Sinne ist es nicht.

Wir haben ein Sprichwort in Japan, das besagt: "Geld zirkuliert in der Welt". Geld, das man ausgibt oder investiert, kommt möglicherweise irgendwann zu einem zurück. Deshalb sollten wir unser Geld nicht sparen, sondern ausgeben - für uns selbst, aber auch für andere. Diese Idee des "Für uns selbst, aber auch für andere" wurde von uns Japanern bereitwillig akzeptiert, schließlich ist das Leben in Harmonie mit anderen für uns das Wichtigste überhaupt.

Mit Begeisterung wurde diese Idee dann von den Medien aufgegriffen und multipliziert, half sie doch, neue Mittel für eben jene Marktentwicklung zu akquirieren.

Es ist wirklich schade, dass die "unreife Generation" den Wert von etwas nur dann erkennt, wenn er sich in Geld ausdrücken lässt. Ich finde, jede und jeder sollte seinen eigenen Werte-Standard in freier Entscheidung und in persönlicher Verantwortung selbst entwickeln, auch wenn sich dieser dann von anderen unterscheidet.


Mag sein, dass wir uns irren: Aber die japanische Filmindustrie ist nicht gerade bekannt dafür, Komödien zu exportieren - z.B. nach Europa. Könnte "Three Year Delivery" der Beginn eines neuen Trends sein?

Meiner Meinung nach werden "komische" Spielfilme in Japan als weniger wichtig angesehen.
Sie werden zwar produziert, aber nur selten exportiert, was ja auch damit zu tun hat, dass Humor in jedem Land anders verstanden wird. Nichts ist peinlicher als irgendwo auf der Welt in einem Kino oder Theater zu sitzen und plötzlich als einziger loszulachen, während die Menge eisig schweigt.

Im Übrigen ist es mir eigentlich egal, ob "Three Year Delivery" einen neuen Trend markiert oder nicht. Aber ich würde mich freuen, wenn möglichst viele Menschen den Film sehen und dadurch motiviert werden, sich mit den Themen Elternschaft, Mann-Frau-Beziehung und Kommunikation in der Familie zu beschäftigen.


Der härteste Test für eine Partnerschaft ist oftmals nicht die Zeit der Schwangerschaft, sondern die Monate danach. Könnte dies ein Thema für Ihren nächsten Roman oder Ihren nächsten Film sein?

In Japan gibt es viele Fälle von Kindesmisshandlung, Aussetzung oder Tötung von Kindern, die auf die "Unmündigkeit" der Eltern zurückzuführen sind. In diesen Fällen waren beide Seiten Opfer - sowohl die Kinder, die von ihren unreifen Eltern verletzt wurden, als auch die Eltern, die ihre Kinder verletzt haben.

Nicht immer wollten diese unreifen Eltern ihren Kinder wirklich schaden, aber jene Kinder, die solches Leid erfahren haben, werden später vielleicht einmal selbst Leid zufügen - und zwar ihren eigenen Kindern.

Ich habe diesen Film in der Hoffnung gedreht, etwas dazu beitragen zu können, dass dieser Teufelskreis durchbrochen wird. Hierfür erschien mir die Form der Komödie geeigneter als die des Dramas.

Ich wünsche mir, dass die Zuschauer, nachdem sie sich hoffentlich gut im Kino amüsiert haben, einen kritischen Blick auf ihr eigenes Leben werfen und überlegen, was sie tun können, um negative Erfahrungen aus der eigenen Kindheit nicht an die nächste Generation weiterzugeben.
Darum ging es mir hauptsächlich in meinem Film.

Das Thema "Partnerstress nach der Schwangerschaft" könnte Stoff für meinen nächsten Film sein. Wie auch immer - die Beziehung von Mann und Frau wird auch in Zukunft ein genauso wichtiges wie schwieriges Sujet bleiben. Für uns alle, vermutlich.


Das Interview wurde Anfang März 2006 schriftlich geführt.

Miako Tadano, 32, wurde in Tokyo geboren. Sie studierte Grafik-Design am Musahino Art College. Von 1994 an spielte sie in mehreren Kurzfilmen mit. 1996 belegte sie den Visual Arts Course der Tama Art University, um das Filmhandwerk zu lernen. Danach arbeitete sie als Produzentin und Regisseurin an mehreren Kurzfilm-Projekten. 1997 gewann sie einen Preis für ihre Rolle in "French Dressing" von Hisashi Saito. Weitere Hauptrollen in Spielfilmen und TV-Produktionen folgten. "Three Year Delivery" ist Tadanos Spielfilm-Regie-Debüt. Sie schrieb auch das Drehbuch nach ihrem gleichnamigen Roman.


Zum Artikel

Link / Adresse:
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© 2008 GFM

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