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Sonntag, 4. März 2007

Mail für die Mondgöttin



Raumfahrt

„Smart-1” war gestern, als nächstes startet „Selene”, die Mondsonde der japanischen Raumfahrtagentur JAXA. Mit an Bord: Hunderttausende persönlicher Botschaften von Luna-Fans weltweit.

„Wish upon the moon” heißt die internationale Kampagne des „Japan Space Forum”. Per Postkarte oder Internet konnten Teilnehmer aus aller Welt bis zum 28.02.07 ihren Namen – maximal zwanzig Buchstaben – und eine Kurznachricht mit bis zu vierzig Zeichen einreichen. Beides wird demnächst in eine dünne Platte eingraviert, am fast drei Tonnen schweren Satelliten angebracht und voraussichtlich am 1. Juli 2007 mit einer H-IIA-Rakete von Tanegashima Space Center aus ins All geschossen.

„Auf jeder Platte ist Platz für etwa dreihunderttausend Namen und Nachrichten, Grüße oder Wünsche”, erklärt ein Sprecher der Raumfahrtagentur in Tokyo. „Und wir beabsichtigen, insgesamt vier Platten zu beschriften.”

Bedenken, dass die irdische Prosa auf ihrem Weg zum Mond womöglich verglüht oder von Mikrometeoriten zerschossen wird, seien unnötig, denn das verwendete Material – mit Aluminium beschichtete Kaptonfolie, die auch Weltraumanzüge vor hoher Hitzeeinwirkung schützt – wurde bereits bei der „Hayabusa”-Raumsonde verwendet, die gegenwärtig auf dem Asteroiden (25143) Itokawa im Einsatz ist.

Zwar werden die Organisatoren Kopien der 160 x 282 mm großen und per Fotoätzung beschrifteten Platten machen, die Teilnehmer jedoch müssen sich ihr „offizielles Zertifikat” selbst ausdrucken, etwa wenn sie das Anmeldeformular auf der englischsprachigen Website der „Planetary Society” mit Sitz in Kalifornien, die ebenfalls an der Kampagne beteiligt ist, ausgefüllt haben.

„Wir wollen mit dieser Aktion neues Interesse für den Mond und natürlich auch für unser Raumfahrtprojekt wecken”, schreibt die JAXA in ihrer Pressemitteilung, denn schließlich sei „Selene” die „wissenschaftlich anspruchsvollste Mondmission seit dem Apollo-Programm”.

In erster Linie geht es darum, die Oberfläche des Erdtrabanten detaillierter als bisher zu kartographieren und Daten zu sammeln, die noch ungeklärte Fragen zur Entstehung und Entwicklung des Mondes beantworten könnten. Fünfzehn wissenschaftliche Instrumente sind dazu an Bord – etwa Röntgen- und Gammastrahlenspektrometer, Spektral-Profiler, Geländekamera, Laser-Höhenmesser und eine HDTV-Kamera, die den Erdaufgang über dem Mondhorizont in hochauflösende Bilder bannen wird.

Bemerkenswert an dieser Mission ist, dass auch Daten von der Rückseite des Mondes in Echtzeit übermittelt werden, was Messungen am dortigen Schwerefeld erlaubt. Möglich wird dies durch die beiden kleinen, etwa fünfzig Kilogramm schweren Subsatelliten, die den Hauptorbiter begleiten. Ein Jahr lang soll „Selene” den Erdtrabanten umkreisen, bevor sie von dessen Schwerkraft angezogen und hoffentlich sanft landen wird.

Die Projektbezeichnung „Selene” steht für „SELenological and ENgineering Explorer”, ist in der griechischen Mythologie aber auch der Name einer Mondgöttin. Sollte Selene zufällig anwesend sein, wenn „Selene” sie umkreist oder auf ihr landet, müsste die Göttin allerdings sehr gute Augen haben, um die eingravierten Botschaften auf den Platten lesen zu können: Ein einzelner Buchstabe wird gerade mal 35 µm groß sein – das sind 0,035 Millimeter.


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© 2007 GFM

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