<body><iframe src="http://www.blogger.com/navbar.g?targetBlogID=10070605&amp;blogName=Storys+mit+Dressing&amp;publishMode=PUBLISH_MODE_BLOGSPOT&amp;navbarType=BLUE&amp;layoutType=CLASSIC&amp;homepageUrl=http%3A%2F%2Fgerdmichelis.blogspot.com%2F&amp;searchRoot=http%3A%2F%2Fgerdmichelis.blogspot.com%2Fsearch" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no" frameborder="0" height="30px" width="100%" id="navbar-iframe" title="Blogger Navigation and Search"></iframe> <div id="space-for-ie"></div>

Samstag, 1. Dezember 2007

Brüten unter dem Vulkan




Albatrosse in Japan

Kurzschwanz-Albatrosse leben lang und fliegen weit, brüten aber selten. Wenn sie sich doch einmal dazu hinreißen lassen, bauen sie ihre Nester ausgerechnet auf Torishima – einer japanischen Pazifikinsel mit aktivem Vulkan. Und weil der jederzeit ausbrechen kann, bereiten Wissenschaftler nun die Evakuierung der Vögel vor.

Nur noch zweitausend Kurzschwanz-Albatrosse gibt es weltweit. Und die meisten von ihnen – genau eintausendsiebenhundertundzwanzig Vögel – haben seit Anfang Oktober die knapp drei Quadratkilometer große Vulkaninsel Torishima angeflogen, ihre albatrostypische Bruchlandung hingelegt und unverzüglich begonnen, Nester zu bauen.

Zurzeit ist das Eierlegen in vollem Gange, sechshundertachtzig Vögel brüten bereits – aufmerksam beobachtet von Dr. Tomohiro Deguchi vom Yamashina-Institut für Ornithologie. Allerdings befindet sich der Wissenschaftler nicht vor Ort, sondern etwa sechshundert Kilometer weiter nördlich, in Abiko, einer Kleinstadt in der Nähe von Tokyo. „Wir observieren die Brutkolonie ausschließlich per Satelliten-Kamera”, erklärt Deguchi, „und zwar noch bis zum Ende der Brutperiode, also bis Anfang Januar.”

––––––––––––––––––––– Werbung –––––––––––––––––––––


www.vodafone.de


––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Die Fernüberwachung hat einen Grund, und der ist vulkanisch wie der spärlich bewachsene Boden von Torishima. Mit einer Höhe von 394 Metern überragt nämlich der Vulkan Izu-Torishima – laut „Catalog of Active Volcanoes of the World” (CAVW) die Nummer 0804-09 – das eiförmige Eiland wie ein erstarrter Lava-Fluch.

„Izu-Torishima ist einer der aktivsten Vulkane des Izu-Bonin-Bogens”, erklärt Kouji Aizawa, Bereichsleiter Vulkanologie bei der Japan Meteorological Agency. „Er gehört zur Kategorie A – das ist die höchste.” Und das ist höchst brisant, denn das bedeutet: Der etwa 300 000 Jahre alte Stratovulkan – kegelförmig wie der Fuji-san – kann jederzeit ausbrechen, so wie er es in der Vergangenheit bereits mehrfach getan hat.

Die Eruption 1902 war so heftig, dass der zentrale Kegel weggeblasen wurde, wodurch ein achthundert Meter langer und dreihundert Meter breiter Krater entstand, der Iwoyama.
Beim Ausbruch 1939 ergossen sich etwa 100 Millionen Kubikmeter Lava über die Insel und formten dabei die nördliche Küstenlinie völlig neu. Im August 2002, bei seiner – vorerst – letzten Eruption, schleuderte der Izu-Torishima Vulkanasche mehrere hundert Meter hoch in den Himmel über dem Pazifik.

Insgesamt verloren einhundertfünfundzwanzig Menschen auf Torishima ihr Leben durch Vulkanausbrüche, weswegen die Insel auch seit 1965 unbewohnt ist. Zumindest, was Menschen angeht.

Warum aber brüten die Albatrosse ausgerechnet hier?

„Weil sie philopatrisch, also extrem nesttreu sind”, weiß Dr. Hiroshi Hasegawa von der Universität Toho, der seit den siebziger Jahren aktiv ist, um die seltenen Sturmvögel vor dem Aussterben zu bewahren. „Seit historischen Zeiten brüten Kurzschwanz-Albatrosse auf Torishima – hier war weltweit immer ihre größte Kolonie.” Und dorthin – auf ihre Geburtsinsel – kehren die Vögel, sobald sie im Alter von sechs Jahren geschlechtsreif sind, zurück, um ihrerseits für Nachwuchs zu sorgen. Jahr für Jahr geht das so, und oftmals ist sogar der Partner vom Vorjahr dabei, denn Kurzschwanz-Albatrosse sind nicht nur nesttreu, monogam sind sie auch.

albatros
Zurzeit ist – wie gesagt – das Eierlegen in vollem Gange. Und auch wenn das nach Massenproduktion klingen mag, so werden doch eher Unikate hergestellt, denn mehr als ein Ei legt das Weibchen nicht pro Saison. Selbst wenn dieses, trotz des kleinen schützenden Walls aus Sand, Gestrüpp und Vulkanschutt, von Erdrutschen verschüttet, von Inselratten geraubt oder ins Meer gespült werden sollte, wird es nicht ersetzt. Ein zweites Ei gibt es nicht.

Wegen ihrer niedrigen Geburtenrate, ihrer geringen Gesamtzahl und nicht zuletzt wegen der unmittelbaren Bedrohung durch Izu-Torishima, steht der Kurzschwanz-Albatros – Phoebastria albatrus – in der Roten Liste gefährdeter Arten der Internationalen Naturschutzunion IUCN, 2006 von BirdLife International mit dem Status „vulnerable” versehen, was nach der deutschen Roten Liste der Kategorie „potenziell gefährdet / extrem selten” entspricht.

Der Umzugsplan

Wie aber kann man die Vögel, die 1949 schon einmal vor dem Aussterben standen, nachdem Millionen von ihnen wegen ihres Gefieders, das für Kleiderfutter und Kissenfüllungen herhalten musste, getötet worden waren, motivieren, einen neuen, sicheren Nistplatz anzunehmen? „Wir haben es mit Lockvögeln probiert”, sagt Dr. Deguchi, „aber das ist sehr zeitaufwändig und war auch nicht sehr erfolgreich.”

Also sollen junge Albatros-Küken, so sieht es der Umzugsplan vor, der zusammen mit dem U.S. Fish & Wildlife Service erarbeitet wurde, per Schiff auf ihr neues, gelobtes Eiland gebracht werden – nach Mukojima, einer kleinen Insel im Ogasawara-Nationalpark, einem Archipel etwa dreihundertfünfzig Kilometer südlich von Torishima.

„Der Umzug ist aber nur dann erfolgreich”, sagt Dr. Deguchi, „wenn die erwachsenen Vögel nicht wieder nach Torishima zum Brüten zurückkehren, sondern nach Mukojima”, und verweist auf eine Studie, die amerikanische Wissenschaftler auf den Midway-Inseln mit einer ähnlichen Albatrosart, dem Laysan-Albatros, durchgeführt haben.

Danach kehrten Küken, die erst im Alter von einhundertfünfzig Tagen umgesiedelt wurden, als erwachsene Vögel an den Ort ihrer Geburt zurück, wohingegen dreißig Tage alte Küken später den Platz, an dem sie aufgezogen wurden, anflogen und als neue Brutkolonie akzeptierten.

„Erste Voraussetzung ist also”, so Dr. Deguchi weiter, „dass uns die Handaufzucht der ganz jungen Küken gelingt.” Im Mai starteten die Wissenschaftler vom Yamashina-Institut einen entsprechenden Feldversuch auf Hawaii. Zehn Laysan-Albatrosse, zwischen achtundzwanzig und zweiundvierzig Tagen alt, wurden per Flugzeug von den Midway-Inseln nach Kauai gebracht, wo sie mit Tintenfisch und Stinte, einem lachsähnlichen Speisefisch, großgezogen wurden.

Zur großen Enttäuschung des Teams starben bis Juni fünf der Vögel, was Dr. Deguchi auf ungewöhnlich schlechtes Wetter – lange Regentage und niedrige Temperaturen – sowie eine bakterielle Infektion, die sich die Küken während der künstlichen Fütterung zugezogen hatten, zurückführt. „In Zukunft werden wir geeignete Maßnahmen gegen mögliche Infektionskrankheiten ergreifen”, verspricht der Wissenschaftler.
––––––––––––––––– Buchtipp / Amazon.de ––––––––––––––––



––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Immerhin wuchsen die übrigen fünf Laysan-Albatrosse zur vollen Größe von neunzig Zentimetern heran – mit einer Flügelspannweite von über zwei Metern. In den nächsten zwölf bis fünfundvierzig Jahren, das ist ihre Lebenserwartung, werden sie den Nordpazifik besegeln, fast dreitausend Kilometer weit fliegen – bis hinüber nach Kalifornien, Alaska, der Beringstraße, sich aus dem Meer ernähren – immer auf der Suche nach Futter, nach den Eiern fliegender Fische, Tintenfisch, Krebsen und Garnelen. Und der Ring an ihren zartrosa Beinen wird den Vogelkundlern Erkenntnisse darüber vermitteln, wohin das jeweilige Vogelindividuum – für etwa fünfundsechzig Tage im Jahr – zum Brüten zurückkehrt.

Camping auf Mukojima

Im März 2007 will Dr. Deguchi einen zweiten Feldversuch starten, und zwar auf der Zielinsel Mukojima – mit etwas älteren Küken, deren Abwehrkräfte bereits besser entwickelt sind. Acht bis zehn – diesmal – Schwarzfuß-Albatrosse im Alter von etwa fünfzig Tagen werden dann auf die unbewohnte, kleine Insel gebracht, um von Deguchis Team, das dort mehrere Monate lang campen wird, per Hand großgezogen zu werden – bei gemäßigt tropischen Temperaturen. „Wenn uns dies gelingt”, so der Japaner weiter, „setzen wir Schritt für Schritt den gesamten Umzugsplan um – mit den Kurzschwanz-Albatrossen von Torishima.”

Es werden kleine Schritte sein, die Geduld erfordern. „Im ersten Jahr”, ergänzt Dr. Hasegawa, „wollen wir zehn Küken auf Mukojima aufziehen, im zweiten Jahr fünfzehn und so weiter. Wenn sich fünfzig Albatrosse dauerhaft dort niedergelassen und eine neue, sichere Brutkolonie begründet haben, ist unser Ziel erreicht.”

Doch noch ist das Eierlegen auf der Vulkaninsel Torishima in vollem Gange, fast die Hälfte der Vögel brütet, und Anfang Januar werden die ersten Jungen schlüpfen – wenn nichts dazwischen kommt.

Bei einer ihrer letzten Patrouillenfahrten sah die japanische Küstenwache nämlich weißen Rauch aus dem Izu-Torishima aufsteigen.


###

Zeichen: ca. 8100

© 2007 GFM

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? War er für Sie von Nutzen oder zumindest unterhaltsam? Dann zögern Sie nicht, Ihre Anerkennung in Euro, US-Dollar oder Yen auszudrücken – via PayPal. Damit hier noch viele informative Artikel folgen!



Wenn Sie in der Linkroll (linke Spalte) erscheinen möchten, geben Sie in der PayPal-Artikelzeile bitte den Titel Ihrer Website und die URL an.


Als News einstellen oder Lesezeichen setzen bei:

Webnews Als News einstellen bei folkd.com Als Lesezeichen bei Mister-Wong.de setzenYigg.de

Labels: